Bilder im Kopf erzeugen


„Sie lehnt am Türrahmen.“ Prägnant, grammatikalisch korrekt, aber Bilder im Kopf erzeugt man anders…

Sie lehnte lässig am Türrahmen.

Sie lehnte lässig am weißen Türrahmen.

Sie lehnte lässig am weißen Türrahmen, der sich von der roten Wand abhob.

Sie lehnte lässig am weißen Türrahmen, der im Kontrast zur roten Wand stand und vermittelte mit ihrem schwarzen Kleid das Bild von Schneewittchen.

Sie lehnte lässig am weißen Türrahmen, der sich von der blutroten Wand abhob, vermittelte den Eindruck von Schneewittchen in dem schwarzen, bodenlangen Kleid und blickte unsicher, beinahe schüchtern in den Raum.

An den weißen Türrahmen, der durch die rote Wand noch weißer schien, in einem schwarzen bodenlangen Kleid das den Blick auf ihre hellhäutigen Schultern zuließ, lehnte sie sich.

Sie lehnte sich an den weißen Türrahmen, der das Rot der Wand unvermittelt abbremste, ballte mit einer Hand im zarten Stoff des schwarzen Kleides so fest eine Faust, dass es beinahe weh tat und stützte die andere hinter dem Körper am Holz ab, blickte dabei suchend und schüchtern in den Raum und löste bei anderen Besuchern das Gefühl aus, also ob Schneewittchen zum Leben erwacht wäre.

Dieser Satz ließe sich unendlich variieren und je nach Genre und Kitschfaktor kürzt man ihn ab oder baut ihn aus. Aus dieser Übung, die sich übrigens mit jeder erdenklichen Situation umsetzen lässt, entstehen oft wunderbare Texte über Situationen, die man beim Schreiben ohnehin lernen sollte. Schriebe man eine Erzählung lediglich mit den kargen Fakten, entstünde wohl nie eine halbwegs fesselnde Erzählung oder gar ein Roman.

Vielleicht habt Ihr schon einmal genauer hingesehen, über wie viele Seiten die Beschreibung von zehn Minuten gehen kann. Sämtliche Eindrücke, allein wenn man 200 Meter Wegstrecke zurücklegt, können so weit ausgedehnt werden, dass der Leser glaubt die 200 m selbst zu gehen.

Die Übung ist außerdem wunderbar, wenn man gerade Angst vor dem weißen Blatt Papier hat. Sprich: sich gerade mit einer Schreibblockade abmüht.

Beflügelt Eure Phantasie! Los geht’s

Der Himmel ist grau. Der Himmel ist blau. Der türkise Zaun des Nachbarn. Er saß ihr am Tisch gegenüber. Sie betrachtete sich im Spiegel….

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